Geschichte der Stadt Lorch und ihrer Schelmenklinge

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Die Stadt Lorch liegt malerisch an einer der engsten Stellen im mittleren Remstal etwa in der Mitte zwischen Stuttgart und Aalen. Erst Rems abwärts weitet sich das Tal und bietet dort vielen Gemeinden Platz und Flächen zum Wohnen, für die Landwirtschaft und die Industrie.
Dafür war Lorch in der Kutschenreisezeit bis vor etwa 150 Jahren eine wichtige Raststation mit überdurchschnittlich vielen, nämlich 26 Gaststätten. Hier konnten die Reisenden, meist Kaufleute mit ihren Waren, auf ihrer mühsamen, in der Regel siebentägigen Reise von Stuttgart nach Aalen rasten, Pferde wechseln oder übernachten. Im Jahr 1861 mit dem Eröffnen der Eisenbahnlinie von Cannstatt nach Aalen verkürzte sich die Reise nach Aalen auf acht Stunden, eine wichtige Erwerbsquelle entfiel damit für die Bevölkerung. Aber mit der Bahn konnten die Städter einfacher nach Lorch reisen. Somit wandelte sich Lorch zum Luftkurort.
Lorch bietet eine wunderschöne Landschaft mit sehr vielen, großen und gesunden Wäldern im Umland. Diese sind durchzogen mit von zur Rems strebenden Bächen, die wiederum von kleinen Seitenbächen gespeist werden. Im Verband von Lias-, Keuper- und Stubensandsteinschichten bilden die Bäche gelegentlich tiefe und unzugängliche Klingen und Schluchten.
Wohl um den neuen Gästen mehr zu bieten, schuf der Verschönerungsverein in dieser Zeit auf Betreiben zweier Lorcher Bürger, dem Fabrikanten Dieterle und dem damaligen Schultheiß Sigel, Wanderwege. So wurde auch 1884 vom Verschönerungsverein beschlossen und im Mai 1885 begonnen, den von den beiden Herren vorgeschlagenen Weg durch die Schelmenklinge zu bauen. Durch diese fließt ein kleiner Bach, gespeist durch Quellen unterhalb Bruck, bis zum Götzenbach.
Man begann mit dem Bau von Bruck her, um die dortigen imposante Sandsteinfelsen zugänglich zu machen. 1886 wurde der Weg bis ins Götzental weitergeführt. Gleichzeitig wurde beschlossen, eine der Quellen zu fassen und über Rohre zu den Schelmenklingenfelsen zu führen zur Bildung eines Wasserfalls. Damit sollte dieses Ausflugsziel noch attraktiver werden.
Offensichtlich gab es damals den heutigen Waldweg durchs Götzental noch nicht. Denn im Mai 1888 wurde beschlossen, dass „der Fußweg im Gözental längs des Gözenbachs im Stadtwald über den Staatswald bis zur Einmündung in den Schelmenklingenfußweg weitergeführt werden solle“. Zugleich war ein Steg zwischen Stadt- und Staatswald erforderlich. 1890 wurde dieser Zugang „produzirt“. 1894 wurde beschlossen, den letzten Aufstieg zur Schelmenklinge zu verbessern, denn dieser sei für Damen zu steil. -Schon 1905 und 1910 wurde mit imposanten Postkarten für die Schelmenklinge geworben. Eines der Bilder zeigt die kühne Holzkonstruktion zur Überwindung der wuchtigen Felsen um den Weg für „Frauen und Kindern zu ermöglichen“.
1908 musste man sich mit dem Wasserfall befassen, denn der Wasserfall ist durch den Wasserleitungsbau der Teilgemeinde Bruck bedeutend geschwächt worden. „Es wird daher beschlossen, das Abwasser bei der dortigen Pumpstation zu fassen und in einer 52 m langen 1 ¼ zölligen Rohrleitung der Felsengruppe zuzuführen.“ Veranschlagte Kosten: 100 Mark. Übrigens: dieses Abwasser war kein Schmutzwasser, sondern Wasser, das der Widder – also die mit Wasser angetriebene Pumpe – zum Antrieb benötigte, um Brauchwasser nach Bruck zu pumpen.
Die Ortschronik meldet am 8. 8. 1936, dass der Wasserfall defekt ist und abgestellt werden musste. Noch am 20. 8. erhält der Feldschütz Krieter die schriftliche Anweisung vom Stadtschultheis: „Der Wasserfall muss am 23. Aug. und 30. Aug. anlässlich des zu erwartenden starken Fremdenverkehrs mit Sonderzügen in Betrieb sein“.

Der Weg durch die Schelmenklinge führt damals und auch heute noch größtenteils durch Privatwald und über private Wiesen. Die Besitzer waren immer in die Entscheidungen eingebunden und gaben stets ihr Einverständnis.

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